Teilnehmer: Hannes Stark und Maximilian Wagner
Der Wecker klingelte früh für Hannes und mich an diesem Samstagmorgen, dem 16. Mai 2026. Schon beim ersten Blick aus dem Fenster war klar: Das wird heute kein Tag für Schönwetterfahrer. Tiefhängende Wolken, kühle Temperaturen und immer wieder Regenschauer begleiteten den Start des Altmühltaler Radmarathons in Beilngries. Genau diese Bedingungen machten die 200-Kilometer-Runde aber zu etwas Besonderem – und am Ende zu einem Tag, den man nicht so schnell vergisst.
Bereits am Volksfestplatz herrschte eine Mischung aus Vorfreude und Respekt. Knisternde Spannung lag in der Luft, während sich die Fahrerinnen und Fahrer trotz kalter Finger und Windjacken auf den Weg machten. Doch direkt nach dem Start wurde schnell klar, dass viele das schlechte Wetter offenbar mit noch mehr Aggressivität kompensieren wollten. Die ersten Kilometer bis zum ersten längeren Anstieg wurden extrem hart gefahren. Das Tempo war von Beginn an enorm hoch, ständig wurde beschleunigt, Positionen wurden ausgefahren und niemand wollte zu weit hinten hängen bleiben. Auf diesem frühen Abschnitt war sofort klar: Das würde später noch Körner kosten.
Gerade bei den kalten Temperaturen fühlte sich diese Anfangsphase fast widersprüchlich an – einerseits tat die hohe Intensität gut, um den Körper aufzuwärmen, andererseits war das Tempo eigentlich deutlich zu hoch für einen 220-Kilometer-Tag. Viele ließen sich von der Dynamik mitreißen, obwohl jedem bewusst war, dass die eigentlichen Schwierigkeiten erst noch kommen würden.
Die Strecke durch das Altmühltal präsentierte sich dabei von ihrer rauen Seite. Die langen offenen Passagen sorgten immer wieder für unangenehmen Gegenwind, und auf den schnellen Abfahrten kroch die Kälte tief in Hände und Beine. Gerade in den frühen Morgenstunden war jeder Anstieg willkommen, um wieder etwas Wärme in den Körper zu bekommen.
Eine der ersten Schlüsselstellen war der Bereich rund um Kipfenberg und Walting. Die Straßen schlängelten sich durch die typische Altmühltal-Landschaft – wunderschön anzusehen, aber bei nassem Asphalt anspruchsvoll bergab zu fahren. Konzentration war gefragt, besonders in den schnellen Kurven und auf den welligen Abschnitten, die nie wirklich Ruhe zuließen. Immer wieder wechselte das Wetter zwischen leichtem Regen, Windböen und kurzen trockenen Phasen, nur um kurz darauf erneut umzuschlagen.
Doch die mit Abstand härtesten Meter des gesamten Tages warteten am Blumenberg. Schon im Vorfeld hatte dieser Anstieg unter den Teilnehmern einen gewissen Respekt ausgelöst, doch unter den Bedingungen dieses Tages wurde er endgültig zum Prüfstein des Rennens. Nach vielen bereits gefahrenen Kilometern traf der Anstieg genau dann, als die Beine schwer wurden und die Kälte zunehmend Kraft kostete. Die Steigung zog sich scheinbar endlos nach oben. Das Tempo fiel abrupt ab, Gespräche verstummten, und plötzlich war nur noch das Geräusch von Schaltungen, schwerem Atmen und rollenden Reifen zu hören. Gerade die steileren Passagen am Blumenberg brannten brutal in den Oberschenkeln. Viele Fahrer kämpften sichtbar, manche im Wiegetritt, andere nur noch darauf konzentriert, irgendwie den nächsten Meter zu schaffen.
Genau dort zeigte sich, wer an diesem Tag noch Reserven hatte – und wer einfach nur noch Willenskraft mobilisierte. Der Blumenberg war weniger ein gewöhnlicher Anstieg als vielmehr eine mentale und körperliche Grenze. Oben angekommen spürte man zwar sofort die Erleichterung, gleichzeitig wusste aber jeder: Dieses Stück Straße hatte heute allen alles abverlangt.
Ein besonderes Highlight wartete dennoch an der Verpflegungsstation bei der Brauerei Gutmann. Ausgerechnet dort zeigte sich plötzlich die Sonne – fast surreal nach den vielen grauen und kalten Stunden zuvor. Für viele Fahrer war das alkoholfreie Weizen in diesem Moment genau die richtige Belohnung: kurz durchatmen, die ersten warmen Sonnenstrahlen genießen und neue Motivation für die verbleibenden Kilometer sammeln. Die Stimmung dort war gelöst, beinahe euphorisch, bevor es wieder zurück auf die Strecke ging.
Mit zunehmender Distanz wurden die letzten Kilometer zur mentalen Herausforderung. Der Körper war müde, die Straßen weiterhin teilweise nass, und selbst kleine Wellen fühlten sich plötzlich wie Anstiege an. Doch genau das macht einen Radmarathon aus: Nicht perfekte Bedingungen, sondern das Durchhalten, wenn es unangenehm wird.
Als schließlich Beilngries wieder in Sicht kam, überwog trotz Erschöpfung vor allem eines: Stolz. 220 Kilometer und 2800hm durch Kälte, Wind und wechselhaftes Wetter – das war kein lockerer Frühlingsausflug, sondern ein echter Radmarathon im besten Sinne. Die Bedingungen machten die Strecke härter, aber genau dadurch auch unvergesslich.
Der Altmühltaler Radmarathon 2026 hat gezeigt, wie reizvoll und anspruchsvoll das Altmühltal sein kann. Die Mischung aus landschaftlicher Schönheit, ständig wechselndem Streckenprofil und widrigem Wetter machte diesen Tag zu einem Erlebnis, das noch lange in Erinnerung bleiben wird.
